Wort des Dekans Reiner Redlingshöfer

Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31,9)


„Corona hat Weihnachten geschrottet“, so drastisch formulierte der Journalist Matthias Dobrinski in der Weihnachtsausgabe der Süddeutschen Zeitung. Gleichzeitig verwies er in seinem Kommentar darauf, dass dies nur für die äußeren Dinge gelte, die sich um das Weihnachtsfest im Laufe der Zeit gelegt und die oftmals die eigentliche Botschaft überlagert hätten.


Die eigentliche Botschaft des Weihnachtsfestes, dass Gott diese Welt nicht gleichgültig ist, dass er vielmehr in dem Kind in der Krippe, in Jesus Christus, hinein kommt in diese Welt, dass Gott uns nahe kommt, die ist, trotz Pandemie und Lockdown, in unseren Gemeinden in vielfältiger Art und Weise erklungen: In Freiluft-Weihnachtsgottesdiensten, Krippenwegen, digitalen Christvespern und digitalen Familiengottesdiensten, schriftlichen Hausandachten oder auch digitalen Krippenspielen. Oftmals erforderten diese Gottesdienste einen ganz besonders zeitintensiven Einsatz vor allem auch vieler Ehrenamtlicher. Allen, die mit ihrem Engagement ermöglich haben, dass die Weihnachtsbotschaft auch unter Corona-Lockdown-Bedingungen zu den Menschen fand, ein herzliches Dankeschön und Vergelt´s Gott.


Auch die nächsten Wochen erfordern, während des Lockdowns, und auch darüber hinaus, viel Kreativität, um die Mut machende Botschaft des Evangeliums vielen Menschen zugänglich zu machen. Denn während dieser Zeit kommen, wie die Nürnberger Nachrichten in einem großen Artikel über die Folgen des Lockdowns schrieb, viele Menschen an ihre Grenzen. Aus vielen Gesprächen und eigenem Erleben weiß ich, dass diese Zeit, der sehr stark eingeschränkten Begegnungs- und Entfaltungsmöglichkeiten uns nicht nur äußerlich einschränkt und unser Leben eng macht, sondern auch mit unserem Inneren etwas macht.


Als Christen dürfen wir aber darauf vertrauen, dass wir auch in dieser Zeit von Gott nicht allein gelassen werden, sondern er unserem Inneren einen weiten Raum schaffen kann und will.
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ formuliert König David im 31. Psalm. Und das gilt auch und gerade in Zeiten äußerer Enge und Bedrängnis. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns aus der inneren Enge herausführen und uns auch in dieser Zeit Luft zum Atmen, ja zum Aufatmen geben wird. Und dass nach dem Dunkel ein neuer Morgen kommt, wie der Psalm dreißig formuliert und Gott uns bis dahin, auch auf schweren und schwierigen Wegen, führt und leitet.


Keine schwierigen, aber ganz neue Wege geht das Evangelische Bildungswerk Fränkische Schweiz seit dem ersten Januar. Denn nach vierzig Jahren endete die rechtliche Selbstständigkeit unseres Bildungswerkes durch die Fusion mit dem Evangelischen Bildungswerk Erlangen. Dennoch wird die pädagogische Arbeit der evangelischen Erwachsenenbildung für die Fränkische Schweiz uneingeschränkt und in Eigenverantwortung weitergehen. Die bisher schon für die pädagogische Arbeit zuständige Frau Getrud Wiesheier wird diese auch weiterhin koordinieren und ein Bildungsausschuss Fränkische Schweiz wird die Arbeit inhaltlich begleiten, die künftig unter dem Na-men „Bildung Evangelisch Fränkische Schweiz“ firmiert. Eines der ersten Projekte wird die Gestaltung eines Hoffnungsweges sein, der einlädt auf seinen Spuren zu wandern und dabei den weiten Raum zu entdecken, den Gott für uns bereithält.


Ich wünsche uns allen, dass diese Hoffnung und diese Erfahrung, dass Gott meine Enge weitet, uns durch diese Zeit begleitet. Gehen wir doch in diesen Wochen Ostern, der Auferstehung, dem Sieg des Lebens über den Tod entgegen.


Bleiben Sie behütet!
Ihr Dekan Reiner Redlingshöfer